Buchausschnitte
Das Lied von Heede
Zu Heede schon stand im neunhundertsten Jahr
ein christlicher Tempel mit heil´gem Altar.
Auch wohnten zwei Ritter auf Burgen schon hier
und unsere Väter in Häusern wie wir.
Biographien zur Geschichte des Emslandes und der Grafschaft Bentheim: Hermann Abels
Johannes Buse
Von Hermann Abels
Ein heimatlicher Dichter und Schriftsteller, dessen Namen vielleicht ein großer Teil der Leserschaft unserer Heimatblätter nicht einmal kennt, der selbst auch niemals das Streben kannte, ihn in weiteren Kreisen genannt zu sehen, es aber redlich verdient hat, wenigstens nach seinem im August d. J. im Alter von nur 49 Jahren erfolgten Tode ehrenvoll erwähnt zu werden und in unserer Heimatliteratur ein Plätzchen zu erhalten.
Die „Schriewtaofel“.
Als ich Ostern 1861 in die Schule kam und der Obhut des „lütken Magisters“ Eissing übergeben wurde – er hat später mehrere Jahrzehnte in Papenburg segensreich gewirkt, wo er auch gestorben ist – sah ich manche Schüler und Schülerinnen der Oberstufe mit einem gerade nicht leichten hölzernen Kasten von etwa 35 cm Höhe, 25 cm Breite und 5 cm Tiefe versehen, dessen Rückenbrett oben in eine Art Handgriff auslief.
Emsländischer Pfeifchenschlage=Vers.
„Zu Fabian und Sebastian“ (20. Januar) muß der Saft in die Bäume gahn“ sagt eine alte Wetterregel, die aber, wenigstens für unser Emsland, nur zum Teile zutrifft. Zu den ersten Bäumen und Sträuchern, unter deren Rinde der Saft im neuen Jahre zu kreisen beginnt, gehören die Weidenarten, und von undenklichen Zeiten her hat die liebe männliche Jugend sich dies zunutze gemacht, um sich ein billiges und beliebtes Spielzeug aus Weidenloden zu verschaffen, das mehr oder minder an Musik erinnernde Töne von sich zugeben imstande ist.
"Nagelhold".
Wir Emsländer sind, so lange die Geschichte aus unserm „Nordlande“ etwas zu melden weiß, niemals verwöhnt worden, und wenn die Franzosen uns etwa in Bezug auf Essen und Trinken mit ihrem in unserer Sprache gar nicht einmal zutreffend übersetzbarem Worte „gourmets“ beehren wollten, würden wir das vielleicht höchstens für ein Köppken guten Bohnenkaffees gelten lassen, wie unsere friesischen Nachbarn für ein Kopje echten Tees, das die Leute im Binnenlande ihnen nicht so leicht nachmachen.
Zur Geschichte der tönernen Tabakspfeife.
Eine Plauderei von Hermann Abels.
Die Tabakpflanze (Nicotiana Tabacus) wurde 1492 von den seefahrenden Spaniern auf der Antilleninsel Haiti aufgefunden, wo von den Eingeborenen deren Blätter getrocknet und als Reizmittel aus einfachen Holzröhren geraucht wurden. Es hat aber über anderthalb Jahrhunderte gedauert, bis in Europa die „Unsitte des Tabaktrinkens“, wie man anfangs sich ausdrückte, trotz der längere Zeit darauf gesetzten behördlichen, zum Teile schweren Strafen, sich verallgemeinerte.
Fliegenkirmeß.
Zu dem Müggenfett, das der kluge Hans im Mecklenburgischen für einen Schilling holen muß (Nieders. 12, S. 342 f.), möchte ich bemerken, daß dies so unansehnliche Objekt in Heede (unteres Emsland) den Gegenstand eines regen Handels auf der „Häier Müggenkärmse“ bildet, die am 3. Sonntag im Oktober stattfindet. Schon Wochen vorher disputiert man im Emsland darüber, wieviel „datt Pund Müggenfett“ dort wohl kosten mag, und – sollte man es glauben – es gibt allerlei geweckte Kinder, die diese Utopien mit offenem Munde andächtig anhören.
Aus Aschendorfs ältester Geschichte.
Aus dem Nachlaß von Hermann Abels.
I.
Daß Aschendorf ein uralter bewohnter Ort ist, der schon früh Bedeutung gehabt hat, steht außer Zweifel, sowie auch, daß es, ebenso wie eine dichte Reihe großenteils ebenfalls in unsern frühesten schriftlichen Dokumenten mit ihren Namen erwähnter Nachbarorte, diese Bedeutung auch wesentlich dem Umstande zu verdanken hat, daß es unmittelbar an einer alten geschichtlichen Volksstammes=Grenze liegt, nämlich der zwischen dem Altsachsen= und dem Friesenlande. Diese Scheidegrenze war in alter Zeit von noch größerer Bedeutung, da in dem letzteren Gebiete die altfriesische Sprache herrschte, welche in Ostfriesland seit dem 15. Jahrhundert mit der Mundart der niedersächsischen Küstenstämme vertauscht wurde, so daß an die Stelle einer Sprachgrenze nur eine Mundartgrenze übrig blieb.
Heinrich Lanwer,
erster Direktor des Lehrerseminars zu Osnabrück als Pfarrer zu Heede und Pädagoge.
Persönliche Erinnerungen von Hermann Abels Paderborn.
Aus Anlaß des goldenen Jubiläums des kath. Lehrervereins der Diözese Osnabrück brachte dessen Organ, die „Pädagogische Post“, in ihrer Festausgabe u. a. auch einen Abriß der Geschichte des katholischen Lehrerseminars in Osnabrück und gedachte dabei mit lebhafter Pietät des ersten Direktors, späteren Pfarrers Lanwer in Heede an der Ems.
Hermann Abels Lehrer, Redakteur und Heimatforscher (1855 - 1932)
Unter den großen emsländischen Persönlichkeiten war er derjenige, der in seinem Leben die wohl schwersten Schicksalsschläge erlitt: Im Verlauf seines Lebens verliert er seine Frau und seine sechs Kinder. Als Lehrer wurde er von einem Halsleiden befallen, das ihm die Stimme raubte. Als Journalist und Redakteur schwand seine Sehkraft. Aber er ließ sich nicht „unterkriegen“. Er, Hermann Abels aus Heede, entwickelte Energie und Lebenswillen, die heute noch erstaunen lassen.
Was bedeutet der alte Volksname „Chauken“?
Von Hermann Abels.
Zur Abwechslung diesmal etwas Sprachkundliches. -
Ein in alten lateinischen oder griechischen Wörtern mit deutscher Bedeutung stehendes „ch“ muß nicht mit anlautendem „ch“ sondern mit dem einfachen „h“ ausgesprochen werden.
Von Geld und Geldwert im Niederstift Münster im 15. Jahrhundert.
Von H. Abels.
Seit dem Anfang des 15. Jahrhunderts begann man in einem großen Teile Deutschlands nach dem rheinischen Goldgulden zu rechnen, auch in dem Stifte und Niederstifte Münster wurde er mehr und mehr als Einheitsrechenmünze angenommen und angewandt, bis er um die Mitte des 15. Jahrhunderts bei den Behörden allgemein eingeführt war und auch im privaten Leben meist als Währungs=Grundlage im Gebrauche stand.
Dr. med. Franz Thedering in Oldenburg i. O.
am 11. April 50 Jahre alt.
Dr. Franz Thedering wurde geboren 1878 als Sohn des aus Haren stammenden tüchtigen praktischen Arztes Dr. August Thedering in Heede, wo seine Eltern sich großer Beliebtheit erfreuten.
Die Moorbrücke zwischen Neurhede und Heede
Mitgeteilt von Regierungsrat Schlicht, Aschendorf
Wenngleich der nachstehende Vortrag über die Moorbrücke in Neurhede mehr als hundert Jahre zurückliegt, so hat er doch im Hinblick auf die in den letzten Jahren und Jahrzehnten entdeckten Moorbrücken in den linksemsischen Mooren und die neuerdings eingeleitete Erforschung vor= und frühgeschichtlicher Wege ein allgemeines Interesse für unsere emsländische Heimat.
Theodora Korte über emsländische Heimatliebe.
Von Hermann Abels.
Einem uns zur Verfügung gestellten Briefe der leider für unsere emsländische Literatur zu früh verstorbenen liebenswürdigen und feinsinnigen Schriftstellerin Theodora Korte, geboren in Aschendorf, (vgl. den Nachruf von Dr. Ed. Egbring in „Mein Emsland“, 1926, Nr. 12) an einen im östlichen Westfalen wohnenden befreundeten Landsmann vom 29. April 1907, kurz nach dem Todes ihres Vaters, entnehmen wir folgende Ausführungen über die Liebe zur emsländischen Heimat, welche es verdienen, von allen Emsländern in und außerhalb der Geburtsheimat nicht nur beachtet, sondern auch befolgt zu werden. Sie mögen zugleich ein Erinnerungsblatt an die liebe Verewigte zu ihrem am 1. September d. J. zum dritten Male wiederkehrenden Todestage sein.
Eine Pfalz Karls des Großen in Paderborn.
Von Hermann Abels.
In keinem Orte des nördlichen Deutschlands hat Karl der Große so oft und so lange geweilt wie in Paderborn. Dort fand auch im Jahre 799 die geschichtlich bedeutsame Begegnung des Frankenkönigs mit dem aus Rom vertriebenen Papste Leo III. statt, von der man annimmt, dass sie den Anlass zur Begründung des neuen römisch-deutschen Kaisertums gegeben habe. Es wird uns in den Geschichtsquellen über eine mindestens siebenmalige längere Anwesenheit Karls an den Quellen der Pader und Lippe von 777 bis 804 berichtet, und schon aus dem Grunde hat man seit Jahrhunderten vermutet, dass er eine Pfalz in Paderborn besessen habe.
Zu den germanischen und altdeutschen Eigennamen mit anlautendem ch
Von Hermann Abels.
Die ältesten gesicherten Wörter des germanisch-deutschen Sprachschatzes sind fast ausnahmslos Eigennamen von Volksstämmen oder Personen und treten uns erst von etwa 60 Jahren vor Christus an entgegen. Dies geschieht aber in lateinischen und griechischen Schriftwerken, also in derjenigen Form, wie die betreffenden Aufzeichner sie hörten und in ihrer Schreibweise wiedergeben mussten, da die alten Germanen und Deutschen selbst keine diesen Fremden verständliche Schriftart besaßen, wenn sie überhaupt von einer Schreibkunst etwas wussten.
Auffindung des Grabes des Bischofs Imad († 3. Februar 1076) im Domturme zu Paderborn.
Von Hermann Abels.
In der Reihe der mittelalterlichen Bischöfe von Paderborn nach Meinwerk nimmt dessen Neffe Imad, der nach dem Tode des Italieners Rotho dessen zweiter Nachfolger wurde (von Weihnachten 1051 bis 3. Januar 1076), den bedeutungsvollsten Rang ein, sowohl in seiner Tätigkeit auf dem Diözesangebiete wie in Kunst und Wissenschaft.
Die ehemalige St. Martinskirche auf dem Kerckberge bei Böddeken
† Hermann Abels
Im Folgenden drucken wir einen alten Aufsatz des verdienten früheren Schriftleiters des Heimatbornes ab, um ihn einer unverdienten Vergessenheit zu entreißen. Über die Martinskirche auf dem Kerckberge ist nichts Besseres geschrieben worden. Die Abhandlung, die in der „Sonntagsfeier“ vom 21. Februar 1897 stand, wird auch heute den Freunden der heimatlichen Geschichte willkommen sein.
Der Wacholderbaum, einst eine Zierde des Sennegebiets
Nach Grimms Wörterbuch ist der Name „völlig dunkel“.
† Hermann Abels
Immer mehr Heideflächen verschwinden im Gebiet unserer Heimat. Einst war der Wacholderbaum ein Kennzeichen der Heide. Er stand zwischen den goldgelbblühenden Ginstern und der braunen Heide wie ein Wächter für die Erhaltung unseres Landschaftsbildes. Der bekannte Redakteur und Heimatschriftsteller Hermann Abels † schreibt über ihn:
Die Errichtung und Einweihung der Mariensäule am Marienplatz in Paderborn
† Hermann Abels
Im Heft 9/1962 der „Warte“ schreibt Baurat Paul Michels aus der Geschichte des Kettenplatzes. In dem Aufsatz wird über den Plan der Errichtung eines Fürstenberg-Denkmals berichtet, der aber nicht zur Ausführung kam. Heute veröffentlicht die „Warte“ einen Beitrag des bekannten ehemaligen Redakteurs des Westfälischen Volksblattes, Hermann Abels †, der von der Errichtung und Weihe der heutigen „Mariensäule“ auf dem früheren „Kettenplatz“ erzählt. Er wurde geschrieben aus Anlass des 60jährigen Jubiläums.
Dr. August Potthast †.
Von Hermann Abels.
Im Februar 1897 starb zu Leobschütz in Schlesien das Ehrenmitglied unsers Vereins, der ehemalige Bibliothekar des deutschen Reichstages Franz August Potthast, geboren zu Höxter am 18. August 1824 als Sohn altangesessener Bürgersleute. Mit zwölf Jahren bezog er das Gymnasium zu Paderborn, wo er im Junfermannschen Hause die liebevollste Aufnahme fand. Im Herbste 1844 bestand er hier die Abiturientenprüfung und besuchte die Akademie Münster, um Theologie und Philologie zu studieren. Nach drei Semestern kam bei ihm das Bewusstsein zum Durchbruch, dass Beruf und Neigung ihn der deutschen Geschichte und der Altertumskunde zuwiesen, zu deren Studium er sich nach Berlin begab, wo er bis Ostern 1850 bei der philosophischen Fakultät immatrikuliert war.
Zur Abstammung emsländischer Ortsnamen.
Von Hermann Abels - Paderborn.
"Der Name ist Schall und Rauch" lautet zwar ein bekanntes Dichterwort, und der emsländische Bauer sagt: "'t is gliek, wo't Perd hett, wenn't man goud splett", was weniger auf das Pferd gehen soll als auf die Namensgebung für Kinder. Etwas so Gleichgültiges ist indessen der Name keineswegs, sondern in jedem Namen, möge er einen Hügel, Fluss, Weg, bewohnten oder nicht bewohnten Ort, eine Person oder ein Tier, gar nur ein Insekt oder eine Pflanze benennen, liegt etwas "Bezeichnendes" auch im übertragenen Sinne.
Mien Oellernhus.
Von Hermann Abels.
Waor däür d´t Sand de Aemße gait,
Waor dicht bi ´t Loug de Linn´boom stait,
Name und Geschichte der „Tunschere“
Von Hermann Abels, Paderborn
In einer größeren Anzahl Dörfer des Emslandes, namentlich in dessen nördlichem Teile und auf dem Hümmling, war ehedem die Sitte verbreitet, – und ist es vereinzelt vielleicht noch heute – dass zu Neujahr der Freier seiner Verehrten oder auch wohl die Kinder dem Großvater oder der Großmutter ("Böppe") ein Angebinde aus künstlichen Blumen, buntem Flitterkram oder Ähnlichem in einer Art Kranzform darbrachten, das "Tunschere" genannt wurde.1)
Saterland und Nordhümmling.
Von Hermann Abels.
Etwa in der Mitte der Westgrenze des jetzigen Freistaates Oldenburg liegt das kleine und von der Natur kärglich ausgestattete Saterland, das aber bis auf den heutigen Tag nach mehr als einer Beziehung die Augen der Forschung auf sich gezogen und ihr noch immer nicht klar gelöste Rätsel aufgegeben hat. Weil es unmittelbar an den nördlichen Hümmling stößt und mit ihm durch geschichtliche Vorgänge in alten engen Beziehungen gestanden haben muß, hat die Leserschaft von „Mein Emsland“ Anrecht darauf, wenigstens in knapper Form darüber unterrichtet zu werden, zumal die kernig-biederen Saterländer seit Jahrhunderten zu allen westlichen Nachbarn ebenso regen wie freundschaftlichen Verkehr unterhalten haben, der sich durch die neuen Kanalverbindungen demnächst zu gemeinsamem Nutzen noch wesentlich steigern dürfte.
„Gute Leute“.
Von Hermann Abels.
In Urkunden aus dem Mittelalter bis tief in die neuere Zeit über vermögensrechtliche Angelegenheiten vor den zuständigen unter freiem Himmel abgehaltenen Gerichten finden wir außer dem Namen des „geschworenen Richters“ die der beiden „Kornoten“ (Schöffen, Urteilsfinder, noch in unserem mehr schimpfwortartig gewordenen „de Kornuten“ erhalten) eine mehr oder minder große Anzahl Zeugen, mindestens zwei, nach deren Namen in der Regel die Wendung folgt „und andere guden lude genoch“. Diese Bezeichnung „gut“ hat jedoch nicht, wie heutzutage, die Bedeutung „von gutem Charakter“, sondern nähert sich dem Sinne, den wir noch jetzt damit verbinden, wenn wir sagen: „der ist mir gut dafür“.
Güter der „Toten Hand“
pflegen wir gegenwärtig solche zu benennen, die nicht im Besitze von Privatpersonen sind, sondern Anstalten öffentlichen Rechtes, insbesondere Kirchen und kirchlichen Instituten (Klöstern, Krankenhäusern usw.) gehören. Diese Bezeichnung ist jedoch erst aus jüngerer Zeit. In alter Zeit unterschied man die „eigene Hand“ (manus propria) und die „tote Hand“ (manus mortua), und diese kamen bei der Eigentums-Übertragung von liegendem Grund und Boden in Betracht.
Hermann Abels †.
Unser Ehrenmitglied Chefredakteur i. R. Hermann Abels ist am 8. Juni 1932 im Alter von bald 77 Jahren aus einem an Arbeit reichen Leben geschieden. Der E.G.B. hat in ihm ein treues Mitglied verloren. Abels gehörte der Paderborner Abteilung seit ihrer Gründung an, er war mehrere Jahre ihr 2. Vorsitzender und hat durch zahlreiche Berichte im Westfälischen Volksblatt und in auswärtigen Zeitungen für den E.G.B. gewirkt. An der Herausgabe der beiden Auflagen des Eggeführers 1902 und 1909 hat er eifrig mitgewirkt. Ehre seinem Andenken!
Quelle: Egge-Gebirgs-Bote Nummer 45 August 1932
Verlag: H. Gemüngt, Bad Driburg.
Zur Geschichte der Vornamen in Westfalen
Von Hermann Abels.
Nach der freiwilligen und zwangsweisen Bekehrung des Sachsenlandes zum Christentum verblieben den Bewohnern zunächst noch jahrhundertelang bei der Taufe die hergebrachten aus der Heidenzeit stammenden klangvollen und in ihrem Sinne dem Volke verständlichen Namen und es wurde der Schöpfung neuer kein Hindernis entgegengesetzt. Wenn wir die alten westfälischen Urkunden durchstöbern, so treten uns bis etwa 1200 fast lauter altsächsisch-westfälische Namen entgegen; erst von da an mehren sich die Benennungen nach christlichen, außerdeutschen Heiligen, und dabei fällt es auf, daß solche zuerst bei Männern und etwa ein Jahrhundert später bei Frauen allgemeiner zu werden anfangen.
Emsländische Volksweisheit
Von H. Abels aus Heede
Wel vör dertig Jaore fört, mout nao dertig Jaore lopen.
´t is de Koh vergäten, dat se Kalf wäsen is.
Bäter demödig sitten, äs hofferig gahn.
Bäter in´n olt Hus, äs baowen up´n nee.
Hans Hillebrand.
Volkswitz und nicht minder Volksspott hat sich von jeher mit den einzelnen Ständen beschäftigt, und manchmal in recht derber und drastischer Weise; das ist eben Volksgeschmack und noch heutzutage das Spottlied auf die jetzt ziemlich ausgestorbenen Leinweber („Die Leineweber haben eine saubere Zunft“). Wer am meisten hervortritt, wird auch naturgemäß in erster Linie die Zielscheibe des Volksscherzes und Volksspottes, deshalb hat der Welt- und Ordensklerus von ihm vorauf sein redlich Teil mitbekommen.
In Heft 8 findet sich im „Sammler“ ein sehr interessantes Tanzliedchen „Het Patertje“ aus den Niederlanden, was in diese Kategorie gehört.
Münsterische Wachszinsige im Emslande.
Von Hermann Abels.
Man liest in Schriften über die ältere heimische Geschichte und Landesverfassung von „Wachszinsigen“ als von Leuten, die sich mit Genehmigung auf Kirchhöfen angesiedelt hatten und dafür einen Zins in Wachs liefern mussten. Das Wort Kirchhof ist dabei aber nicht in dem Sinne von Begräbnisplatz, Friedhof („eingefriedigter Hof“) zu verstehen, der damals in der Regel die Kirche umgab, sondern bezeichnete solche Höfe, ländliche Besitzungen, die im Eigentum der Kirche standen, also Kirchenland.
Die Paulsfreiheit Zugleich ein Abschnitt aus der Hümmlinger Geschichte
Von Hermann Abels.
Einen noch in seinen Beweggründen nicht völlig aufgeklärten Vorgang in der mittelalterlichen Geschichte des Hümmlings berichtet eine Urkunde vom St. Agnestage 1394, die sich in Kindlingers Geschichte der deutschen Hörigkeit, Berlin 1819, unter Nr. 141, S. 503 abgedruckt findet. In ihr begeben sich die freien Bauern des Hümmlings unter den Schutz des hl. Paulus, des Patrons des Bistums Münster, als „Paulsfreie“, also unter den Schutz des Bischofs von Münster als Landesherrn, bleiben aber, wie ausdrücklich gesagt wird, „des Stiftes Freie“, und verpflichten sich, dem Grafen Otto von Tekeneborch (Tecklenburg) keinerlei Dienste zu tun und keinerlei Zins zu geben und dem Stifte treu zu sein, so lange das Stift Münster die Kloppenburg an sich halte.
Adel und Städte des Emslandes und des Niederstiftes Münster zur Reformationszeit
Von Hermann Abels.
Für die Haltung der Städte und des Adels im Emslande wie in dem damit verbundenen Niederstift Münster bei Einführung der Reformation wie bei der Gegenreformation war nicht das religiöse Bedürfnis und die konfessionelle Überzeugung die eigentliche Triebfeder, sondern politische und wirtschaftliche Interessenfragen.
Das Land Westerwolde und das Stift Münster
Von Hermann Abels.
Ein in geschichtlicher Beziehung eigenartiger Landstrich ist Westerwolde, das sich westlich an den Kreis Aschendorf von dessen Südgrenze bis ausschließlich etwa Brual gegenüber auf holländischem Gebiete anschließt und dort die Kirchengemeinden Terapel (ehemaliges exemtes Kreuzherrenkloster), Zellingen, Onstwedde, Vlagtwedde, Wedde und Vriescheloo umfasst. Das Gebiet wird durchflossen östlich von der Ruiten-Aa und westlich von der Mussel-Aa; diese Bäche vereinigen sich unterhalb Vlagtwedde bei Wessinghusen zur Westerwoldschen Aa *).
Die Heide blüht.
Von Hermann Abels.
Langsam und allmählich kleidet sich unsere gemeine Heide (Calluna vulgaris) in ihr fleischrotes Festgewand, unmerklich entwickeln und öffnen sich die reichlich nadelkopfgroßen Einzelblütchen der Trauben, die zu tausenden aneinandergereiht eine einzige Blüte des Stammes und zu hunderttausenden von Stämmen vereinigt eine lückenlose blühende Flur zu bilden scheinen. Es ist jetzt nicht so einfach mehr, solche blühenden Heidefelder zu finden und zu schauen. Die Heide ist ein Kind der Einsamkeit, aber sie selber ist in hohem Maße ihresgleichen gesellig. Sie liebt große Flächen, die von der menschlichen Kultur frei sind, die Nähe bebauten Landes haßt sie dermaßen, daß sie sich allmählich davon zurückzieht und zunächst großen Gräsern Platz macht oder den nackten Boden bei ihrem Scheiden zurückläßt.
Die Nachbarschaft im Emslande.
Von Hermann Abels.
Freude und Leid miteinander teilen ist die Grundlage alles sozialen Wesens, darauf beruht die Haltbarkeit und Dauerhaftigkeit der Wohlfahrt und des Glückes in der Ehe, in der Familie, in der Gemeinde und damit im Staate und den Staatswesen untereinander. Zwischen Familie und Gemeinde fand sich im alten ungeschriebenen Volksrechte weiter Bezirke unserer Vorfahren noch ein Mittelglied, das als anerkannte geheiligte Einrichtung sich nur noch in wenigen und von diesen fast nur ländlichen Gegenden in unsere Zeit hinübergerettet hat, in den meisten aber bereits so lange zum großen Teil oder ganz aufgehoben ist, dass sich nicht einmal mehr eine Erinnerung daran erhalten hat: die Nachbarschaft.
Zu den alten Bohlwegen im niederdeutschen Sumpflande.
Von Hermann Abels.
Sämtliche Schüler unserer höheren Lehranstalten erfahren bei der Einführung in die alte deutsche Geschichte von den Bohlwegen (auf Latein „pontes longi“), welche der römische Feldherr Domitius Ahenobarbus („der Mann mit dem kupferfarbigen Barte“) zur Zeit von Christi Geburt durch die Sumpf- und Moorgebiete Niederdeutschlands anlegte, um seine Truppen durch die Rheinmündungen über das jetzige Holland und das mittlere Emsgebiet nach dem Lande der Cherusker und Engern an die Weser und Elbe zu führen. In der Regel wird es so dargestellt, als ob der römische General gewissermaßen der Erfinder solcher Brücken zu strategischen Zwecken gewesen sei.
Zur Geschichte des Kirchenbaues im Emsland.
Von Hermann Abels.
Aus der Lebensbeschreibung des hl. Ludger von Altfried in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts erfahren wir die auch sonst nicht bezweifelte Tatsache, dass die ersten Kirchen in Norddeutschland, also auch im Emslande, aus Holz gebaut waren, und in der Vita S. Cuthb., c. 46 des hl. Beda des Ehrwürdigen (+ 735) findet sich eine genaue Schilderung der Technik solcher Holzbauten, die aus England nach dem Festlande übernommen wurde und unter dem Namen „Schottische Bauart“ bekannt war.
Aus der Geschichte der Pfarre Steinbild.
Von Hermann Abels.
Ort und Pfarre Stenebille, seit dem 18. Jahrhundert Steinbild geheißen, werden in der uns schriftlich überlieferten Geschichte erst 1304 genannt, fast zuletzt von allen älteren Ortschaften im ganzen Emslande, wogegen Rhede schon 829 und eine große Reihe anderer um 1000 Erwähnung findet.
Der Heimatforscher Hermann Abels aus Heede a. d. Ems
vor 45 Jahren gestorben am 9. Juni 1932
von Alfons Dietrichsdorf
Als Hermann Abels am 12. Juni 1932 auf dem Ostfriedhof in Paderborn unter großer Anteilnahme seiner Angehörigen, Freunde und Bekannten beigesetzt wurde, hieß es in einem seiner Nachrufe, er habe sich „um die Heimatforschung verdient“ gemacht. Dass diese anerkennende Formel nicht nur aus Höflichkeit niedergeschrieben wurde, beweisen etliche Werke aus seiner Feder, die noch heute als wichtiges Handwerkszeug in den Bücherborden besonders der emsländischen Heimatforscher und –freunde zu finden sind. Zum Beispiel durch seine „Ältere Kirchengeschichte des Emslandes“ und die „Ortsnamen des Emslandes“, die nach 45 Jahren in der Bedeutung noch unüberholt sind, wird allein schon der bleibende Wert seiner Arbeit deutlich.
Bei Heede an der Ems
Hermann Abels
Unser Dörfchen Heede hat eine ähnliche Geschichte wie manches andere Dorf an der Unterems. Seit ewigen Zeiten haben Eis, Stürme und Wogen in immer zäher Arbeit Dorfanlage und Bevölkerung gestaltet. Neben dem in seinen Umrissen urgermanischen Dorfbilde findet man überall in dem weiten Stromgebiet der Ems so recht das greifbare Fühlen vom steten Kampf: Natur gegen Natur.
Müller und Mühle im Emslande
Müller – der Familienname ist sonst nicht gerade selten in den meisten deutschen Landen, aber im Emslande kommt er nicht häufig vor und wo er vorhanden ist, tragen ihn dazu noch manchmal Familien, die, wenn auch vor langen Jahren, von auswärts zugewandert sind. Woher kommt das? Einfach daher, daß das Gewerbe des Müllers auch noch in der Zeit, als die Familiennamen zu den Personennamen angenommen wurden – bei uns im 15. Jahrhundert – selten war.
Das Ende der Scharpenburg bei Heede vor 350 Jahren
Kriegschronik 1672:
Das Ende der Scharpenburg bei Heede vor 350 Jahren
Die dickste Linde Deutschlands.
H. Abels.
Beim Dorfe Heede an der Ems, Regierungsbezirk Osnabrück, Kreis Aschendorf, befindet sich eine Linde, welche folgende Größenverhältnisse aufweist: an der dicksten Stelle, wo die Krone an den niedrigen Stamm ansetzt, 17,90, in der Mitte des Stammes 14,60, am Fuße desselben 17,45 Mtr. Umfang; Höhe des Hauptstammes 3,90 Mtr., Gesammthöhe des Baumes etwa 22 Mtr. Dieser in der umstehenden Abbildung dargestellte Baum darf wol ohne Widerspruch als die dickste Linde Deutschlands bezeichnet werden.
Zur älteren Geschichte der Schärpenburg
Von + Hermann Abels
Über die Zeit der Erbauung der Schärpenburg an der Westseite des Dorfes Heede fehlt uns jede urkundliche oder sonstige schriftliche Nachricht. Aber dennoch läßt sich ihre Entstehung im allgemeinen mit hinreichender Sicherheit schon aus den zeitgeschichtlichen Verhältnissen bestimmen.
Aus der unbestreitbar feststehenden Tatsache, daß sie eine münsterische Burg kleineren Umfangs war,
Walburgis von Heede
Priorin des Zisterzienserinnen-Klosters Gravenhorst bei Rheine.
Von Hermann Abels.
Der frühere Seitenaltar in der Kirche zu Heede an der Stelle, wo sich jetzt die Kanzel befindet, wies folgende Inschrift an der Predella auf:
„Anno 1644 hadt die Wollerwürdig Wolledle Junffer Walburgis von Heda, geborhne Tochter von Hause Heda, Priorin deß Klosters Gravenhorst, Diß Altar zu Gottes Ehren undt ihrer gottsahligen Voreltern Gedachtniß erfertigen lassen. 1644. Cum Privilegio.“
